Ein Seminar von Dr. David Signer und PD Dr. Jürg von Ins am Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Frühlingssemester 2011
„Comment une société vit au rythme des coeurs qui battent?”
Maria Silvia Bazzoli
Nichts hält uns so sehr in Atem wie die Liebe, die Verliebtheit, der Pfeil des Amor. Das schlägt sich auch in der Literatur nieder. Jedoch nicht in der ethnologischen. Obwohl hier Gender-Fragen seit Jahren obsessiv diskutiert werden, kommt das Gender-Thema par excellence, die Liebe, hier praktisch nicht vor. Woran das liegen mag? Wird die Liebe, gerade weil sie jeden Einzelnen so sehr betrifft, als etwas Banales oder zu Intensives und daher der objektivierenden Wissenschaft Unwürdiges verdrängt? Im dritten Seminar zum Thema „Ethnologie und Literatur“ wollen wir uns mit belletristischen und wissenschaftlichen Werken zu Verliebtheit und Liebe beschäftigen, in einem Wechselspiel zwischen emischen und etischen, subjektiven und objektiven, künstlerischen und akademischen, europäischen und aussereuropäischen Perspektiven. Der Fokus wird sich dabei vor allem auf die Frage nach Konstanten und Variablen im transkulturellen Vergleich richten – und auf die Beziehung der Verliebtheit zur Macht, die sie bald unterwandert und bald unterstützt.
Was ist Liebe? Welche Akzente setzen verschiedene Sprachen? Wie nah oder fern steht sie der Verliebtheit? Wie positioniert sie sich gegenüber unterschiedlichen sozialen Kontexten? Wie wird sie in den Kosmologien dokumentierter Religionen gewichtet und verortet? Und welchen Linien folgen ihre Metaphoriken und Ikonographien? Es ist ein ausuferndes, nur disziplinenübergreifend zu bewältigendes Thema. Es ist vielleicht das einzige Thema, das keinerlei Ausgrenzung erlaubt. So kann es sich nur um ein Séminaire d’Amateurs handeln.
Wir bitten die Teilnehmenden, vorbereitend zwei Werke aus der Literaturliste (unten) zu lesen und uns diese Titel vor Semesterbeginn zu melden bei
dasigner (at) bluemail (dot) ch
Im Rahmen der Veranstaltung werden die ausgewählten Autoren und ihre Werke vorgestellt und auf ihre ethnografische bzw. ethnologische Relevanz befragt.
Erotologie
Philippe Ariès/André Béjin/Michel Foucault 1984: Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit. Zur Geschichte der Sexualität im Abendland, Frankfurt a. M.
Michel Foucault 1977: Sexualität und Wahrheit. 3 Bde. Frankfurt a.M.
Georges Bataille 1994: Die Erotik. München
Roland Barthes 1988 (1977): Fragmente einer Sprache der Liebe. Frankfurt a.M.
Ders. 2007: Le discours amoureux, Séminaire, Paris
Carl Gustav Jung 1985: Symbol und Libido, Olten/ Freiburg i.Br.
Sigmund Freud 1982: Das Unbehagen in der Kultur. In: Studienausgabe Band IX, Frankfurt a.M.
Ders. 1982: Über die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens. In: Studienausgabe Band V. Frankfurt a.M.
Renato I. Rosaldo 1993: Der Kummer und die Wut eines Kopfjägers, in: E.Berg und M.Fuchs hrsg., Kultur, soziale Praxis. Text, Frankfurt
Ethnologie des Eros und seiner Funktionen
Margaret Mead 1976: Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften. 3 Bände.
Margaret Mead 1985: Mann und Weib. Reinbek bei Hamburg
Marjorie Shostak 1982: Nisa erzählt. Das Leben einer Nomadenfrau in Afrika. Reinbek bei Hamburg
Bronislaw Malinowski 1983: Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien. Frankfurt a.M.
Reinhard Kapfer 2005: Die Frauen von Maroua. Liebe, Sexualität und Heirat in Nordkamerun. Wuppertal.
Tierno Monénembo 1996: Zahltag in Abidjan. Roman. Wuppertal.
Suzanne LaFont/Dianne Hubbard (Hrsg.) 2007: Unravelling Taboos. Gender and Sexuality in Namibia. Windhoek.
Philippe Talavera 2002: Challenging the Namibian Perception of Sexuality. Windhoek
Lilo Roost Vischer 1997: Mütter zwischen Herd und Markt. Ethnologisches Seminar der Universität und Museum der Kulturen Basel.
Claudia Roth 1994: Und sie sind stolz. Zur Ökonomie der Liebe. Die Geschlechtertrennung bei den Zara in Bobo-Dioulasso, Burkina Faso. Frankfurt a.M.
Yang Erche Namu/Christine Mathieu 2006: Das Land der Töchter. Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört. München.
Nawal el Saadawi 1980. Tschador. Frauen im Islam. Bremen.
Paul Theroux 1995: Mein geheimes Leben. München.
Shmuley Boteach 2001: Koscherer Sex. Hohenpeissenberg.
Ernest Bornemann 1985: Rot-weiß-rote Herzen. Das Liebes-, Ehe- und Geschlechtsleben der Alpenrepublik. 2. Aufl., Wien
Maria Silvia Bazzoli und Christian Lelong 2008: Amour, sexe et mobylette. Dokumentarfilm. Frankreich/Deutschland/Burkina Faso. 95 Min.
Gérald Arnaud 2005: Fragments d’un discours musical amoureux. In: Africultures 63
Peter von Matt 2010: Eros, die Liebe und die Kunst, in: NZZ, 11. September 2010
Mosé Chimoun 2001: L’érotisme dans les romans féministes en Autriche et en Afrique noire, Stuttgart
Cécile Beurdeley 1978: L’Amour bleu – Die homosexuelle Liebe in Kunst und Literatur des Abendlandes, Fribourg
Renato Rosaldo 1995: Der Kummer und die Wut eines Kopfjägers. Über die kulturelle Intensität von Emotionen. In: Eberhard Berg und Martin Fuchs (Hrsg.): Kultur, soziale Praxis, Text. Die Krise der ethnographischen Repräsentation. Frankfurt a. M.
Die Frage der Machbarkeit von Verliebtheit und Liebe
Agrippa von Nettesheim 1974 (ca.1520): Magische Werke, 5 Bde., Schwarzenburg
Martin Schmidt u.a. hrsg. 1965: Das Zeitalter des Pietismus, Bremen
Mallanaga Vatsyayana o.J. (um 250): Das Kama Sutra. Darmstadt
William Shakespeare 1623: Antonius und Cleopatra; http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2609&kapitel=2&cHash=cb8a6eb5e02#gb_found
Giacomo Casanova 1850: Memoiren. Berlin
Montesquieu 1885 (1721): Persische Briefe, Leipzig
Stendhal (Marie-Henri Beyle) 1822 : De la Naissance de L’Amour, Paris
Heinrich von Kleist 1811 : Die Verlobung in St.Domingo ; HYPERLINK “http://www.kleist.org/texte/DieVerlobunginStDomingoL.pdf” http://www.kleist.org/texte/DieVerlobunginStDomingoL.pdf
Oskar Panizza 2009 (1897): Das Liebeskonzil, Zürich; HYPERLINK “http://www.act-n-arts.de/sprechkunst/stuecke/panizza-liebeskonzil.pdf” http://www.act-n-arts.de/sprechkunst/stuecke/panizza-liebeskonzil.pdf
Hanns Sachs 1979 (1920): Psychoanalytische Liebesregeln / Daniel Stabler 1979 (1920): Der paradiesische Augenblick, München.
Gabriel Garcia Marquez 1983: Chronik eines angekündigten Todes. Köln.
Ders. 2002: Die Liebe in Zeiten der Cholera. Köln.
Ama Ata Aidoo 1998. Die Zweitfrau. Eine Liebesgeschichte. Göttingen.
Rodolphe Toepffer 1846: Histoire de M. Cryptogame, Paris
Ders. 1850: Les amours de M. Vieux Bois. Paris
Claudia Ott übers. 2004: Tausendundeine Nacht., München
Prosper Mérimée 2005 (1847): Carmen, Zürich
Thomas Mann 1913: Der Tod in Venedig, Frankfurt
William Somerset Maugham 2005: Die Macht der Umstände. In: Gesammelte
Erzählungen, Zürich
Wolf Wondratschek 2008: Lieder von der Liebe (oder Carmen, als Supplement). München.
David Signer 2010: Die nackten Inseln, Zürich
Liebe als Ideal
Diane Wolkenstein und Samuel Noah Kramer 1983: Inanna, Queen of Heaven and Earth. New York
(Salomo) 2007: Das Hohelied. In: Zürcher Bibel. Zürich
Platon 1974: Symposion. Sämtliche Werke Bd. 2. Reinbek bei Hamburg
Ders. 1974: Phaidros. Sämtliche Werke Bd. 4. Reinbek bei Hamburg
Nizami 1963 (1188): Leila und Madschnun; Rudolf Gelpke übers./hrsg., Zürich
Chrétien de Troyes 1996 (um 1180) : Lancelot ou le Chevalier de la Charrette. Paris
Hans-Hugo Steinhoff übers./hrsg. 1995: Lancelot und Ginover. 2 Bände. Frankfurt a.M.
Gottfried von Strassburg 2007: Tristan. 3 Bände. Stuttgart
William Shakespeare 1986: Romeo und Julia. Stuttgart
Johann Wolfgang von Goethe 1774: Die Leiden des jungen Werther; http://www.digbib.org/Johann_Wolfgang_von_Goethe_1749/Die_Leiden_des_jungen_Werther
Gottfried Keller 1927 (1856): Romeo und Julia auf dem Dorfe, Zürich/München; http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3820&kapitel=1#gb_found
Soeur Jeanne des Anges 1911 (1642): Memoiren einer Besessenen, Stuttgart
Victor Hugo 1984 (1831): Der Glöckner von Notre Dame. Zürich
Joseph Jung 2009: Lydia Welti Escher. 3. Auflage. Zürich
Rainer Maria Rilke 1955 (1899): Die Weise von Liebe und Tod des Cornetts Christoph Rilke. Frankfurt a.M.
Louis Aragon 1963: Le Fou d’Elsa, Paris
Jean Genet 1965: Querelle, Hamburg
Luise Rinser 1991: Abaelards Liebe. Frankfurt a.M.
Mariama Bâ 2002: Ein so langer Brief. Berlin
Laurence Sterne 2010 (1768): Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien, Berlin
D.H. Lawrence 1928: Lady Chatterley’s lover, Florenz
Jürg von Ins 2008: Ich hab kein Wort verloren, Gedichte, Zürich
André Gide 2001: Der Immoralist. München.
Vladimir Nabokov 2002: Lolita. Frankfurt a. M.
Azar Nafisi 2005: Lolita lesen in Teheran. München.
Status 14.12.2010
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